ADEMINA

Es begab sich, dass Ademina, die Erstgeborene des Königs Tarapheus, König von Rhodanea, vermählt werden sollte mit Prinz Eyron, dem rechtmäßigen Thronerben zu Rittgarsk, welches tragischerweise sein beim Volk überaus beliebtes Königspaar durch einen feigen Giftanschlag verlor. Eyron war Hals über Kopf in die Amtsgeschäfte seines Herren Vaters gestürzt worden, die er allein dank der Hilfe des Hofberaters Krigg zu bewältigen wusste, doch um zum König gekrönt zu werden, so verlangte es ein uraltes Gesetz, fehlte Eyron noch etwas: ein Eheweib.
»Doch woher soll ich dieses nehmen?«, sprach er voller Verzweiflung. Der findige Krigg jedoch, und so war es schon immer gewesen, hatte auch für dieses große Problem umgehend eine Lösung parat.
»Nichts einfacher als das, Prinz Eyron«, sagte er und rieb sich die Hände, als erwarte ihn eine Silbermünze für jedes schlaue Wort, »König Tarapheus von Rhodanea sucht seit geraumer Zeit Gelegenheit, seine Tochter zu vermählen.«
Auf seine Fingerspitzen gestützt, wog der Kopf des Prinzen schwer von seinen Gedanken um diese Neuigkeit.
»Sagt mir, wie schickt sich das an«, fragte Prinz Eyron ohne Umschweife, »dass Tarapheus‘ Tochter nicht vermählt ist? Und woraus ergibt sich des Königs Dringlichkeit? Ist sie gar hässlich wie ein Ackergaul?«
»Aber nicht doch«, lachte Krigg, »nicht im Entferntesten gleicht sie einer Mähre. Allesamt erscheint sie mir eine gute Partie: Weder riecht sie wie ein Ziegenbock, gackert nicht wie ein Huhn, noch ist sie in einer Form entstellt. Nichts ihres Äußeren, das einen Mann gar verschrecken könnte.«
»Und doch ist es dem König bisher nicht gelungen, einen Gatten für sie zu finden.«
»Dies jedoch bedingt sich allein aus dem ungeheuren Anspruch des Königs! Hört mich an, Eyron! Rhodanea war einst ein blühendes Land mit exzellentem Ruf und trieb Handel mit allen Herren Länder. Doch als die Königin dem König ein Kind gebar, es war Ademina, geschah ein Unglück, denn die Königin starb noch im Kindsbett.
Der König fiel in eine tiefe Trauer, die beinahe ein Jahr währte. Auf die Trauer folgte eine unbändige Wut auf das Schicksal, auf den Lauf der Dinge, die Zeit, die sich auch durch seine von zahllosen Schlachten gestählten, starken Arme nicht zurückdrehen lassen wollte. Als das Volk glaubte, des Königs Wut sei allmählich verraucht, begann ein neues Gefühl sich von des Königs Trauer zu nähren: die pure Verzweiflung.
Ademina soll in dieser Zeit das Sprechen und Laufen erlernt und von ihren Gouvernanten im Lesen, Schreiben und Musizieren unterrichtet worden sein. Ihr seht, Prinz, es waren viele Jahre ins Land gegangen, und in diesen Jahren hat der König das goldene Rhodanea dergestalt vernachlässigt, dass hie und da kein Wohlstand mehr herrschte, und dies hält an bis zum heutigen Tage.«
Der Prinz nickte bedächtig.
»Armes Kind. Und das Volk … Sage mir, Krigg, was ist es, dass der König vom künftigen Gemahl Ademinas verlangt?«
»Nur derer drei, Prinz Eyron. Um sein Versagen von zwei Dekaden wieder wettzumachen, verlangt Tarapheus, Ademina möge ausnahmslos einen Prinzen oder König ehelichen.«
»Dies mag ich wohl erbringen«, rief Prinz Eyron mit stolzgeschwellter Brust.
»Sehr wohl, mein Prinz, dies ist auch unbedingt erforderlich, insofern als der König sich für seine geliebte Tochter nichts mehr wünscht als eine gesicherte Zukunft. In seinen Augen kann ihr dies nur ein solides Königreich, wie das eure eines ist, versprechen.«
»Ein frommer Wunsch eines Königs für sein Kind. Doch weiter, Krigg, wie lautet die zweite Bedingung?«
»Das Überbringen eines Sackes voll Silbermünzen.«
Prinz Eyron hielt für eine Sekunde die Luft an.
»Können wir diesen erübrigen?«
»Ich sprach mit dem Schatzmeister, mein Prinz, ein Sack ist ohne Frage zu entbehren.«
Prinz Eyron, der sich die Beinkleider zurechtzupfte, die Brust rausstreckte und man konnte glauben, er übe sich bereits im Gehen und Stehen wie ein König, hob die Augenbrauen und stellte Krigg eine letzte Frage.
»Sprich, wie lautet die dritte Bedingung?«
»Eine lächerliche Formalie«, sprach Krigg, »Bedeutungslos, wenn ihr mich fragt.«
Doch der Prinz starrte seinen Hofberater ungeduldig an, bis dieser dazu anhob, ihm die gewünschte Antwort zu erteilen. »König Tarapheus wünscht, dass seine Ademina errettet wird, so wie es in den Sagen steht.«
»Errettet?«, rief Eyron erbost. »Wie denn errettet? Wovor? Einem feuerspuckenden Drachen? Einer Meute Baumtrolle oder Sumpfungeheuern? Krigg, er spricht in Rätseln! Was hat das zu bedeuten?«
»Beruhigt euch doch, mein Prinz«, sprach Krigg völlig ruhig und winkte den Mundschenk herbei, er solle dem Prinzen einen ermunternden Trank bereiten. »Trinkt und lauscht meinem Vorschlag: Die Bedingung des Königs mag überaus abenteuerlich klingen. Doch ist sie so frei verfasst, dass ich mir bereits eine List überlegte, mit der ihr Prinzessin Ademina unzweifelhaft zum Retter gereichen werdet.«

Ademina blickte erbost vom Schloss über den Marktplatz hinweg auf die Bevölkerung. Ihre Gouvernante Kalii hatte sie soeben über die größte Neuigkeit seit Jahren in Kenntnis gesetzt. Ademina zeigte jedoch wenig Begeisterung darüber. Wenn es nach ihr ginge, hätte sie am liebsten weggehört.
»Prinzessin, habt ihr vernommen, was euer Vater euch zutragen lässt?«
»Oh, das habe ich, Kalii, doch ich scheine mich verhört zu haben! Was um alles in der Welt macht ihn glauben, ich ließe mich mit einem mir unbekannten Tölpel aus der Walachei vermählen?«
»Doch nicht aus der Walachei, Hoheit. Und wen ihr als Tölpel zu bezeichnen pflegt, Prinz Eyron, er ist der zukünftige König von Rittgarsk, einem mächtigen Königreich, dass …«
»Schweig, Kalii! Ich weiß sehr wohl wofür Rittgarsk bekannt ist. Es sind Eroberer, Streitsüchtige, Mörder! Es ist kein Geheimnis in unseren Landen, wie dieses Königreich zu seinem Reichtum gelangt ist. Und ein solches Schwein soll ich ehelichen? Gar dort leben soll ich in Zukunft wohl auch?«
Ademina schnaubte verächtlich und stieß eine Blumenvase aus dem Fenster, die um ein Haar eine Burgwache erschlagen hätte.
»Prinzessin Ademina, so höret doch. Euer Vater hat diesem Abkommen in bester Absicht zugestimmt.«
»Abkommen! Ein Kuhhandel ist das, und ich soll wohl zur Kuh gereichen! Frechheit, noch eins. Was soll der Zweck dahinter sein? Welchen Vorteil trage ich davon?«
»Sie kennen doch die Bedingungen, an die ihr Vater das Versprechen ihrer Hand einst geknüpft hatte?«
Nun musste Ademina laut auflachen. »Diese Flugblätter, die unsere Boten in alle Winde verstreuen durften? Diese Lächerlichkeit sonders gleichen soll noch immer Geltung besitzen?«
»So ist es. Unser Königreich bedürft dringend des geforderten Silbers, wenn das Volk nicht bald Hunger leiden soll! Und Prinzessin, Eyron ist zweifelsohne ein Prinz, vergesset das nicht.«
Ademina war schrecklich unzufrieden, dass ihres Vaters Wunsch wohl dem entspräche, was recht und wichtig wäre für die Menschen ihres Königreichs, und doch war es ihr zuwider, einen Mann zu heiraten, den sie nicht liebte. Doch dann fiel ihr etwas ein, das ihr beinahe entgangen wäre.
»Kalii, ist es nicht so, dass mein zukünftiger Gemahl mich zudem retten muss?«
»Retten, Hoheit?«, sprach Kalii mit leichter Verwirrung. »Sie haben recht, von einer Rettung war einst die Rede. Ich fürchte, ihr Herr Vater wird noch immer darauf bestehen, da er ihre Errettung als einen symbolischen Akt versteht.«
Ademina lächelte zum ersten Mal.
»Das verspricht, spaßig zu werden.«

Der große Tag war gekommen, an dem Ademina mit der königlichen Kutsche nach Rittgarsk überbracht werden sollte. Das Volk jubelte, da es bereits die frohe Kunde vernommen hatte. Unter ihrem Kreischen und Klatschen, ihrer unbändigen Freude und Kusswürfe hatte Ademina ein schwaches Lächeln aufgesetzt. Sie freute sich für ihr Volk. Der Pakt war besiegelt worden, und sofern ihre Reise wie geplant über die Bühne lief, sollte einem erneuerten Wohlstand ihrer einstigen Mitmenschen nichts im Wege stehen.
Der Kutscher rief zur Abfahrt und die Pferde setzten klappernd ihre Hufe in Bewegung. Der Jubeltaumel der Bewohner wurde leiser und leiser, bis er hinter dem Geäst und Blattwerk des dichten Waldes, durch den Kutsche fuhr, irgendwann gänzlich verstummte. Ademina war froh, dass sie ihren Gouvernanten hatte ausreden können, sie zu begleiten. Es war besser so. Ademina hielt angespannt Ausschau nach einem bestimmten Abschnitt des Waldes und versuchte, ihre leise Anspannung über die kommenden Ereignisse zu unterdrücken. Das Wohlbefinden ihres Volkes und der Segen, den ihr Vater nach all der Schmach erhalten sollte, waren ihr das Wichtigste. Und doch dachte sie nicht im Traum daran, diesen vermaledeiten Prinz Eyerkopf – wie sie ihn seit Tagen zu schimpfen pflegte – tatsächlich zu heiraten! Ademina hatte einen Plan geschmiedet, einen Plan, von dem sie wohl annehmen durfte, dass noch niemand in dieser Welt auch nur annähernd einen derartigen ersonnen hatte.
Die Kutsche passierte eine Lichtung, und Ademina wusste augenblicklich, dass es hier geschehen musste. Den Knecht der Reithalle hatte sie kürzlich aufgesucht und ihm und seinem älteren Bruder für einige Silberstücke eine ungewöhnliche Bitte abgerungen.
»Maskieret euch! Stellt euch der Kutsche in den Weg und entführet mich bis tief in den Wald. Gen Osten, am Fuße eines Hügels steht eine verlassene Hütte, dort möget ihr mich meiner selbst überlassen.«
Was in den Ohren der Burschen klingen mochte wie ein schlechter Scherz, sollte sich als wohldurchdacht entpuppen. Die Prinzessin erläuterte selbstredend, wie sie sich den weiteren Verlauf vorstellte: In besagter Hütte gedachte Ademina sich zu verstecken und erst nach Einbruch der Nacht den übrigen Weg nach Rittgarsk anzutreten. Dort würde sie Prinz Eyron persönlich vorwerfen, dass er nicht imstande war, sie zu erretten, was sie folglich selbst erledigen musste. Um seine Ehre zu bewahren, würde sie sich bereit erklären, diese Peinlichkeit für sich zu behalten, sofern Rittgarsk an der Zahlung des Silbers festhalten würde.
Prinz Eyron dürfe auch mit ihr an der Seite freilich den Thron besteigen. Doch anschließend, so würde Ademina verlangen, wäre sie fort – für immer!
Vom Knecht und seinem Bruder verlangte Prinzessin Ademina folglich nur die fingierte Entführung und absolutes Stillschweigen, zum Wohle des Königreiches von Rhodanea.
So weit zum Plan, dachte die Prinzessin. Und da erblickte sie einen Schatten hinter einem breiten Baume, und im nächsten Moment sprang er vor die Königskutsche. Der Kutscher musste den Schreck seines Lebens erhalten haben, er riss die Zügel empor und ließ ein langes »Haaalt!« erklingen. Ratlos blickte er die breitschultrige Gestalt an, die vor ihm stand und war nicht imstande, einen Muskel zu rühren. Auf einen solchen Fall war er nicht vorbereitet.
Ademina stieg aus und rief ihm zu: »Bleibt, wo ihr seid, Kutscher, ich werde mit ihm reden.«
Ein Aber ließ sie nicht gelten und näherte sich ohne Furcht dem unerwartet großen Angreifer. Doch so schnell konnte sie nicht schauen, da hatte der Hüne sie emporgehoben, über die Schulter gelegt und war mit ihr im tiefen Wald verschwunden. Ademina lächelte zufrieden, während sie in die Dunkelheit gerissen und auf diesem muskulösen Rücken geschaukelt wurde. Doch beschlich sie ein grausamer Verdacht, als ihr Zweifel kamen, woher der Bruder des Knechtes eine solche Stärke und Ausdauer hernahm. Unter seinem Gewand war die Person nicht zu erkennen, doch Ademina musste sich eingestehen, es handelte sich weder um den Knecht noch seinen Bruder, geschweige denn überhaupt um einen Menschen.
»Ihr könnt mich getrost herablassen«, rief sie der Gestalt zu. Doch die Antwort des Hünen klang wie Donnergrollen und ließ Ademina das Blut in den Adern gefrieren.
»Eine Prinzessin fängt man nur einmal im Leben, und dann lässt man sie erst wieder los, wenn ein Kochtopf in der Nähe steht! Ihr habt ja so zartes Fleisch«, lachte es.

Ademina konnte ja nicht ahnen, was sich zuvor ereignet hatte und ihren todsicheren Plan jäh zunichtemachte. Ihr getreuer Knecht und sein Bruder hatten sich maskiert in Stellung gebracht, wie es verlangt war. Doch hatte ja auch Krigg, Prinz Eyrons Berater, eine hiesige Finte sich überlegt und drei Häscher entsandt, Ademinas Kutsche zu stoppen und die Prinzessin zu entführen. Prinz Eyron sollte ihr nunmehr als Held in strahlender Rüstung zur Rettung eilen, um seinen Teil der Abmachung zu erfüllen.
Wer aber war es nun, der Ademina nun ins Dunkel des Waldes verschleppte?
Als die Brüder und die Häscher inmitten der Lichtung aufeinandertrafen waren wenige Worte vonnöten und die Männer gingen aufeinander los. Doch brachte diese Keilerei keinen Sieger hervor, denn gerade als alle Männer in ein solches Gerangel verstrickt waren, gellte ein grauenhafter Ruf durch den Wald. Es war der Bergtroll, und sein donnernder Schrei brachte die Kämpfer dazu innezuhalten. Der Anblick indes schlug auch den härtesten Recken in die Flucht. Als die Kreatur just im nächsten Moment der Prinzessin Duft witterte, war Ademinas Schicksal besiegelt.

Ademina hatte den Bergtroll indes als solchen erkannt und war von ihm in eine halbzerfallene Burg verschleppt worden. Der Grobian hatte nicht gelogen, denn er ließ Ademina wahrhaftig erst in der Nähe eines Kochtopfes herab. Er setzte sie in der Burgküche in einen hohen Korb, den sie nicht überwinden konnte und rief einen für Ademina unverständlichen Namen.
»Koch uns dieses Menschlein zart, es ist eine Prinzessin, riech doch nur.«
Die Köchin war ein besonders hässliches Exemplar von Bergtroll, wenngleich nach Ademinas Wissen keine hübschen Trolle unter der Sonne wandeln. Doch auch ihr Verschlepper, der die Kapuze seines Umhangs abgenommen hatte, besaß eine Visage, die nur eine Mutter lieben konnte. Er zog unvermittelt von dannen und die Köchin entzündete ein Feuer unter dem Kessel. Das darin befindliche Brackwasser, verriet Ademinas Nase, begann zu brodeln und die hässliche Trollköchin sprach: »Los, entkleide dich!«
»Niemals!«, rief die Prinzessin, wusste sie doch, dass sie gleich gekocht werden soll.
»Soll mir doch recht sein«, schnaubte die Trollin, »die Kleider werden dir heute Abend ebenso wie dein zartes Fleisch von den Knochen gleiten.«
Sie lachte verächtlich und allmählich bekam es Ademina nun doch mit der Angst zu tun. Mit ihren grauen, pickeligen Armen hob die Köchin Ademina aus ihrem Gefängnis und trug sie auf den dampfenden Kessel zu. In ihrer Not wand sich die Prinzessin im festen Griff umher, und auf dem Tisch erblickte sie ein Schälmesser der Köchin, das in ihrer Hand jedoch einem Schwert gleichen würde. Sie nutzte ihre einzige Chance, es zu packen, und es wog unheimlich schwer, sodass sie es nur einmal umherriss, ehe es ihr entglitt. Doch mit diesem einen Hieb schnitt sie der Köchin geradewegs die Kehle durch. Dunkelrotes, fast schwarzes Blut rann ihr über den Körper und in den Augen war bereits der Tod zu sehen, als sie vornüberkippte und Ademina vor ihre Füße fallen ließ. Um ein Haar wäre die Prinzessin auch nur von ihr zerquetscht worden.
Da stand sie nun, in der Burgküche einer Trollhorde, inmitten einer Lache klebrigen Blutes. Aber sie war frei, sofern sie jetzt noch diese Mauern hinter sich lassen würde. Sie ging den direkten Weg zurück, damit sie sich nicht noch verlaufen würde und hoffte inständig, dass ihr keines dieser Wesen begegnen würde. Tageslicht und das Grün des Waldes erblickte Ademina und rannte so schnell ihre Füße sie trugen hinfort von diesem schrecklichen Ort. Noch einmal drehte sie sich um, sich zu überzeugen, dass niemand ihr folgte. Doch kaum waren ihr Blick wieder nach vorn gerichtet, sah sie sich ihrem Peiniger erneut gegenüber und schlug ihre Absätze in den Waldboden. Ademina landete unsanft auf ihrem Prinzessinnenhintern und war nicht in der Lage, zu entkommen. Der Troll beugte sich zu ihr herab. »Duuu«, donnerte er, und Ademina fürchtete, nun war es um sie geschehen. In diesem Moment drang eine eiserne Klinge durch das Auge des Trolls und kam eine Handbreit vor Ademinas Gesicht zum Stehen. Es war das Schwert des Prinzen Eyron, der den Trollschädel durchbohrt hatte.
»Ich helfe Euch auf, Hoheit«, sprach er sanft und hielt er die Hand entgegen.
»Ich bin Euch zu großem Dank verpflichtet. Das war wahrhaftig Rettung in letzter Sekunde.«
»Das nenne ich wohl passend«, sprach Eyron, »entspricht dies doch eben meiner Pflicht, die zu erfüllen ich mich aufmachte.«
Ademina durchfuhr ein größerer Schreck als die beiden Trolle gemeinsam ihr eingeflößt hatten. Der Prinz hatte sie nun doch zu retten vermocht?
»Als ich Rettung sagte, meinte ich …«
»Oh, ich kenne sehr wohl die Bedeutung des Wortes Rettung, Prinzessin, und Ihr werdet mir doch beipflichten, dass man nicht oft Gelegenheit erhält, einen schäbigen Troll zu durchbohren.«
Ademina kochte innerlich. Ihr schöner Plan sollte letztlich dahin sein? »Hört, Prinz. Auch ich erledigte einen dieser Trolle ehe ich ihrer Behausung entkam. Und wärt Ihr nicht gewesen, so hätte ich doch einen Weg gefunden, mich auch dieses hier zu entledigen.«
Eyron schmunzelte und begriff allmählich, weshalb es dem König nicht gelungen war, Ademina zu verheiraten. Krigg sollte recht behalten, sie war eine wahre Augenweide, doch ihr Wesen war von einer ungeheuren Sturheit beseelt. Eyron machte gute Miene zum bösen Spiel und antwortete: »Dessen bin ich mir sicher. So lasst uns das doch ganz unverfänglich auf Rittgarsk in Ruhe bereden. Seid mein Gast.«
Ein Trick ist dies, dachte die Prinzessin, noch immer erbost über das Misslingen ihres Vorhabens. Sie ließ sich widerwillig aufhelfen und sah Eyron zum ersten Mal in Gänze an. Und er sah nun kein bisschen so bescheuert aus, wie sie sich lange Zeit einzureden versuchte. Nein, ganz und gar nicht …

Und so wurde, wie von allen erwartet und erhofft, doch noch eine große Hochzeit gefeiert, die die beiden Königreiche auf ewig verbinden sollte. Das Volk von Rittgarsk erhielt einen starken und gerechten König, und Rhodanea blühte auf wie einst. Die Ehe von Ademina und Eyron war beileibe nicht jeden Tag von Harmonie erfüllt. Sie stritten, sie diskutierten, schrien und debattierten. Und doch siegte auch bei ihnen, tagein, tagaus, die Liebe.

Und wenn sie nicht gestorben sind, so sind sie sich noch heute uneins, wer gerade Recht habe.

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