Warum schreibe ich überhaupt?

Das ist nach „Woher nimmst du nur deine Ideen?“, „Wann findest du für so etwas denn noch Zeit?“ und „Du musst ja jetzt einen Haufen Geld scheffeln, oder?“ wohl die häufigste Frage, die wir uns gefallen lassen müssen. Allerdings mag ich diese Frage irgendwie besonders, und ich antworte äußerst gern darauf. Warum? Ganz einfach! Ich beantworte diese Frage jedem der mich fragt anders, und somit mir selbst auch jedes Mal ganz neu, immer aus einem neuen Blickwinkel.

Bei dieser Frage gibt es kein einfaches „Darum“ als Antwort. Oder wie handhabt ihr das? Gibt es für euch nur den einen Grund, zu schreiben? Um damit eure Brötchen zu verdienen? Weil die Figuren sonst nur in eurem Kopf Tango tanzen und euch nachts nicht schlafen lassen? Weil die Memoiren von Oma schnell abgetippt werden müssen, bevor die alte Dame vergisst, mit wem sie damals auf dem Ball war? Oder weil XY aus dieser Möchtegernschriftstellerfacebookgruppe dieses Jahr schon vier Kurzromane veröffentlicht hat und ihr erst drei?

Nein, das glaube ich nicht. Die Gründe jedes einzelnen von uns fürs Schreiben sind doch äußerst vielschichtig. Gerade heute habe ich mir mal wieder eindringlich Gedanken gemacht, wobei ich nicht einmal mehr genau weiß, wie ich ursprünglich drauf kam. Aber die Antwort, die mir heute in den Schoß fiel, berührte mich selbst dermaßen, dass ich meine Gedanken unbedingt notieren möchte, bevor sie wieder verschwinden (Geklaut von einem Prota, der mir gerade durchs Hirn saust, weil seine Geschichte geschrieben werden möchte).

Der Gedanke der mir heute in den Sinn kam, war der, dass in dieser hektischen Welt, die sich viel zu schnell verändert, sich jeden Tag aufs Neue erfindet und der wir trotz aller Bemühung nicht hinterherrennen können, weil sie einfach viel zu rasant für unsere kurzen Beine ist, es dennoch einige Konstanten gibt. Genau diese gilt es zu finden, zu ergreifen und nicht mehr loszulassen. Es können Ruhepole für uns sein, die wir nicht unterschätzen dürfen. Sicher ist es toll, was wir heute mit unserem Smartphone alles tun können, einfach aus der Tasche und die Welt steht uns offen. Der Fernseher hat mittlerweile eine höhere Auflösung als die Realität selbst und selbst die Kaffeemaschine, die Heizung und der Kühlschrank sind inzwischen smart. Einfacher ist unser Leben dadurch dennoch nicht geworden, oder?

Wir müssen dennoch unseren Alltag bestreiten, von A nach B hetzen, den Papierkram erledigen, dank dem Fortschritt müssen (ja müssen!) wir uns zusätzlich um unsere Onlinepräsenz kümmern, liken, teilen, Nachrichten beantworten, usw.

Was ich damit sagen will: Ich bin überfordert. Ja, ich fühle mich regelrecht überfordert und fast schon überfahren von diesem Fortschritt. Und ich bin jetzt gerade einmal 34 Jahre alt! Ich gehörte zur „Generation Gameboy“. Meinen ersten Commodore bekam ich mit 7 Jahren – und konnte ihn bedienen. Ich habe meinen PC damals jedes Wochenende zu einem Kumpel getragen, um dort 60-Stunden-LAN-Partys zu feiern. Ich habe Dinge mit Spielkonsolen angestellt, die in keiner Anleitung standen. Ich habe die Verkäufer im Computerfachgeschäft an die Wand gequatscht – ich war im Recht. Ich habe mein komplettes Haus vernetzt. Und dennoch: Ich kann nicht mehr Schritt halten. Es hat mich überrollt. Heute bin ich froh, wenn ich mit einer neuen Androidversion auf meinem Smartphone klar komme.

Und daher bin ich froh über den Ruhepol, den ich für mich gefunden habe. Meine Konstante. Es ist das Schreiben.

Warum wirkt es so beruhigend auf mich? Es ist ganz einfach: Das Schreiben – wie auch das Lesen – haben sich in vielen Jahrhunderten eigentlich nicht großartig verändert. Sicher: ich kann meine Bücher online bestellen, der arme Paketbote läuft manchmal sofort los und bringt sie mir noch am gleichen Tag. Schneller geht das ebook, das habe ich sofort auf meinem elektronischen Schneidebrett. Aber die Art, das geschriebene Wort in mich aufzunehmen hat sich nicht weiterentwickeln müssen. Lesen ist wie Magie. So ursprünglich, ehrlich und vollkommen.

So verhält sich das für mich mit dem Schreiben auch. Als Selfpublisher haben wir es heute relativ easy, einen Roman rauszuhauen und auf die Welt loszulassen (obwohl erwiesenermaßen auch das Selfpublishing seit Jahrhunderten im Gebrauch ist). Vieles ist einfach geworden – viele Probleme sind natürlich geblieben: Was kann ich alles selbst? Was gebe ich lieber an Profis? Wie viel ist es mir wert? Was bin ich bereit vorzulegen? Kann ich es mir überhaupt leisten? Und machen wir uns mal nichts vor – Die Geschichte schreiben muss man noch immer selbst!

Anfangs hatte ich noch seltsame Ideale. Schon als Kind wollte ich Schriftsteller werden. Das „Warum“ hatte ich mir aber anders beantwortet als heute. Klischeebehaftet träumte ich von einsamen Nachmittagen in einer Ecke von Starbucks, nur ich und mein Laptop. Dass das so nicht läuft, wissen wir inzwischen alle. Was aber Wirklichkeit geworden ist: Aus einer Idee wurde eine Geschichte. Auf Papier wurde diese Geschichte wieder zur Realität. Ich halte sie in den Händen und habe damit erreicht, wovon ich immer geträumt habe.

Wonach ich heute noch strebe ist, dass meine Werke die Leser erreichen und selbstverständlich auch begeistern können. Beides habe ich mehr oder weniger selbst in der Hand. Aber das ist eine ganz andere Geschichte …

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Autor:

Die Seite ist meiner schriftstellerischen Tätigkeit gewidmet.

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