Wie finde ich einen Verlag – oder findet der Verlag mich?

Schrei es in die Welt hinaus

Über alle Maßen erfreut, euphorisch, grenzenlos glücklich habe ich vor einigen Wochen – wie so viele andere – meiner Freude Ausdruck dadurch verliehen, dass ich einen an markanten Stellen geschwärzten aber hübsch dekorierten, mit Smileys verzierten Verlagsvertrag mit der Welt geteilt habe. Ja, mein Roman hat tatsächlich ein Verlagszuhause gefunden, und es ist ja schon zur Mode verkommen, ein solches Ereignis zu zelebrieren, ja, es geradezu in die Welt hinauszuschreien. Oder es einfach zu posten. Ich bin ehrlich – ich habe mich einfach dazu hinreißen lassen, bei diesem Trend mitzumachen.

Ein flüchtiges Foto, das viele Gratulanten auf den Plan ruft, einige Neider (von mir aus) aber – was mich nicht losgelassen hat – auch etliche Fragezeichen, die plötzlich aufsteigen. Einige haben mich direkt angesprochen, wie mir das gelungen ist. Den Weg über einen (seriösen) Verlag möchten ja unheimlich viele gehen. Und ebenso viele Hürden tun sich auf, wenn man sich eine Weile mit dem Thema beschäftigt. Ich bin gerne bereit, hier meine Geschichte zu erzählen, die als eine Art roter Faden dienen soll, und ich hoffe, dass der eine oder andere sich daraus die Informationen ziehen kann, die ihn auf seinem eigenen Weg weiterbringen werden.

Ich sag es direkt heraus: Ich halte mein Erfolgserlebnis nicht für Zufall oder Glück (ich hab nie Glück 😉 ). Aber dazu später mehr. Mein Roman hat nämlich eine kleine Reise hinter sich, bis er ‚zuhause‘ ankam …

Vom Selfpublisher zum Verlagsautor

Das klingt ja nach regelrechter Verwandlung! So ist es ja auch nicht ganz … im Herzen bin und bleibe ich natürlich Selfpublisher und werde auch zukünftig auf diesem Wege veröffentlichen. Aber jetzt erzähle ich erstmal  kurz zu meinem Werdegang:

Im Schnelldurchlauf: Ich habe mir 2015 ein Herz gefasst und meinen Erstling, an dem ich mit Unterbrechung rund 8 Jahre gearbeitet habe mittels Selfpublishing veröffentlicht. Warum SP? Kurz und knapp: zu diesem Zeitpunkt WOLLTE ich mir bewusst die mitunter zermürbende und ernüchternde Suche nach einem Verlag ersparen. Vielleicht wollte ich auch nicht aufgrund niederschmetternder Kritik von Solchen, die wirklich wissen (sollten), wovon sie sprechen, meine Schreibfeder an den Nagel hängen, bevor die Spitze auch nur im Ansatz getrocknet war – zugegeben. Der Hauptgrund war jedoch meine unbändige Ungeduld. Ich wollte so unglaublich gern mein Werk in die Welt werfen, hatte keine Minute mehr Geduld, und was lag da näher als Selfpublishing, welches in den letzten Jahren nicht nur um einiges einfacher sondern auch bezahlbar geworden ist?

An dieser Stelle möchte ich unbedingt meinen Dank für die Selfpublisher-Bibel zum Ausdruck bringen! Da sollte wirklich jeder mal rein gelesen haben, bevor er ernsthafte Unternehmungen anstrebt. Und auch heute ist sie immer wieder einen Blick wert!

Ihr wisst ja wie das läuft: Hochladen, fertig. Und schon kommen die Leser. Begeisterungsstürme, positive Rezensionen. Haha. NICHT.

Man wirft sich praktisch selbst in den Ring und dann beginnt die Tretmühle. Wie mache ich eigentlich Werbung? Warum habe ich mir vorher keine Gedanken darüber gemacht? Warum kauft niemand mein Buch? Ist es schlecht? Oder nur unsichtbar? Mach ich mal eine Preisaktion? Ja, heute haben es 3 Leser gekauft! Mal schauen, wie viele es morgen werden … Was? Warum hat es heute wieder keiner gekauft? Einer hat es sogar zurückgegeben? So etwas geht??

Alles doch nicht so einfach?

Es ist wirklich nicht so einfach, Autor zu sein, wie viele glauben. Das darf ruhig mal gesagt werden! Gerade als Selfpublisher bleibt doch wirklich alles an einem kleben. Ich habe mein Wissen um die Branche in nur einem Monat um geschätzte 8500% gesteigert. Kein Kunststück: Wie viele andere vor (und auch nach) mir hatte ich schlicht KEINE Ahnung, was da alles auf mich zukommt. Lässt man sich davon abschrecken? Nein, natürlich nicht! Mein Buch ist jetzt da, also soll es gefälligst gelesen werden!

Nachdem sich nach einigen Wochen doch eine Reihe Leser gefunden hatten, die auch gar nicht mal schlecht bewertet haben, stellte sich langsam eine gewisse Form der Zufriedenheit ein. Aber noch gab es meinen Roman „nur“ als ebook. Hatte mich nicht die eine Leserin angeschrieben und nach einem Print gefragt? Hm, dann schauen wir uns doch mal an, was ein Buchsatz ist, kann ja nicht so schwer sein … Kann ich mein 1-2-3-Cover von KDP auch fürs Print nehmen? Oha, für mein Cover hatte es furchtbare Kritik gehagelt, ich muss unbedingt ein Neues erstellen! Dann schauen wir uns eben mal GIMP an. Sieht ja gar nicht mal … so … leicht aus 😦

Leserunde bei Lovelybooks? Check. Jemand hat nach passenden Lesezeichen gefragt: Check. Im Forum schreibt einer „Du musst unbedingt die Lokalzeitungen auf dich aufmerksam machen“ – Check (von 8 kontaktierten schickte wirklich eine einen Redakteur zu mir nach Hause). Blogger fragen nach Gratis-Prints – … äh … Check 😦 Und jetzt wäre es mal langsam an der Zeit für eine erste Lesung …

Kurzum: Ein Fulltime-Job, bei dem man an manchen Tagen nicht weiß, wofür man das tut und ob es etwas bringt. Man macht 3 Schritte vor und 7 zurück. Jeden Tag. Und stets sieht man, wie ein Anderer wieder was Neues macht. Und versucht mitzuhalten, nachzuziehen. Überholen klappt schon mal gar nicht!

Wenn nach einigen Monaten die Verkäufe gegen 0 gehen, keine Preisaktion, kein Gewinnspiel, kein Werbepost … einfach NICHTS mehr die Wende bringen mag, dann geht langsam der Akku zur Neige. Soll es das gewesen sein? Zumindest für mich war das der Tiefpunkt. Und der Moment zu resümieren, ob mir dieser kurze Ausflug in die Bücherwelt schon reicht. Oder ob da noch was geht …

Die Entscheidung war recht schnell klar: Kostspielige Marketingstrategien oder dubiose Dienstleister in Anspruch nehmen, das kam nie in Frage – nicht allein, weil ich es mir nicht leisten kann. Die Philosophie, die hinter einem Verlag (im wörtlichen Sinne) steckt, das war es, was ich mir für mein Buch wünschte.

Endlich kommt er zum Punkt

Ja, ich habe weit ausgeholt, aber das war auch notwendig. Wie also habe ich „meinen“ Verlag gefunden und – was noch wichtiger ist – ihn überzeugt, mein Buch zu verlegen? Verlage gibt es wie Sand am Meer, und auch ich sah den Wald vor lauter Bäumen nicht. Google hilft auch nur bedingt weiter. Testet es selbst: Die oberen Suchergebnisse sind nicht gerade die attraktivsten. Da tummeln sich gerne die sogenannten DKZV (DruckkostenZUSCHUSSverlage), und so etwas wünschen wir uns nicht für unser Buch!

Also schaute ich, was treiben denn die Kollegen so? Welche Bücher teilen begeisterte Leser und welcher Verlagsstempel prangt darauf? Machen wir es mal kurz: Ich habe letztlich 7 Verlage angeschrieben und innerhalb 4 Monate 5 Absagen, 1 Hinhaltetaktik (Dieser „Verlag“ ist inzwischen sogar vom Erdboden verschwunden) und 1x gar keine Antwort erhalten.

Am Ende war es doch ein wenig Zufall: Auf Facebook sah ich die Werbeanzeige eines Verlags, dessen ganze Aufmachung mich sofort neugierig machte, also besuchte ich seine Webseite und informierte mich eingehend. Und JETZT komme ich endlich zum entscheidenden Punkt: In meinem Fall war es so, dass das Verlagsmotto einfach unglaublich zu meinem Roman passte. Oder umgekehrt? In Stichworten: Thriller/Crime – erwachsen – moralisch – tiefgründig – düster. Auf dieses Motto habe ich mich bei meiner Bewerbung natürlich auch bezogen und – was soll ich sagen – letztlich hat mein Roman den Verlag überzeugt! Im Mai wird DAS PLAGIAT über ihn neu erscheinen.

Und hieraus leite ich nun meine Tipps für Euch ab, von denen ich überzeugt bin, dass sie zu einem Erfolg bei der Verlagssuche beitragen können:

1. Schau dir das Verlagsprogramm an!

Verlegt der Verlag das Genre, zu dem dein Roman passt? Studiere die Webseite, welche Bücher sind dort im Programm? Passt deines rein, oder könnte es trotz abweichenden Themas eine Bereicherung des Programms sein? Schreibt ein reiner Fantasy-Verlag auf seiner Seite, er verlege „ausschließlich Fantasy“, kann man sich die Bewerbung dort mit seinem Großstadtkrimi wirklich schenken …

2. Gibt es ein Verlagsmotto?

Je düsterer, umso besser – Überraschende Wendungen – Tiefgründige Charaktere – … Spricht dich das Verlagsmotto mehr als an, soll heißen: du findest dich und deine Geschichte dort direkt wieder, kann das ein deutliches Indiz sein! Auch dem Verlag wird beim Lesen deines Exposés oder Manuskripts schnell auffallen, dass sich die Richtung deckt. Das kann eine Eintrittskarte sein …

3. Nimm Kontakt auf!

Persönlicher Kontakt ist in unserer Zeit selten geworden, aber nichtsdestotrotz noch immer sehr wichtig! Wir dürfen uns nicht darauf ausruhen, ein Dutzend E-Mails in die Welt hinauszuschicken. Zurücklehnen und auf eine positive Antwort warten, das kann ganz schön lange dauern. Ein Anruf kostet heutzutage ebenso NIX, ist aber sicher nicht umsonst. Im persönlichen Gespräch kann man viel leichter einige Eckpunkte abklären, die über Genre und Seitenzahl hinausgehen. Man stellt seinen Roman viel näher vor und vor allem: die Person, die ihn geschrieben hat. Landet die E-Mail mit dem Exposé im Anschluss beim Verlag, wird man sich an dich erinnern! Und dann landet dein Meisterwerk nicht sofort im Papierkorb, wie so viele andere …

4. Schick mehrere Pferde ins Rennen!

Suchst du einen Job, dann streckst du die Fühler in viele Richtungen aus, in der Hoffnung, das eine deiner Bewerbungen auch auf Anklang stößt. Dann mach das auch mit deinem Manuskript! Du hast ja gar nicht genug Lebenszeit, um einen nach dem anderen abzuarbeiten. Rechne mal: Wenn Verlag 1 sich 3 Monate Zeit zur Prüfung erbittet, der nächste will wenigstens 6 Wochen, und ein anderer nennt bis zu 6 Monate ’nicht ungewöhnlich‘, dann geht da schon mal schnell ein Jahr drauf! Alles vorausgesetzt, dass du überhaupt Antwort erhältst! Also, sende JEDEM deiner Meinung nach potenziellen Verlag dein Manuskript zu. Die meisten Verlage akzeptieren oder wünschen das sogar per Mail, in Papierform bekommt man es eh nicht zurück … Wenn du dich bei mehreren Zusagen nachher zwischen 2 oder 3 Verlagen entscheiden müsstest, ja das wären dann wirklich Luxusprobleme 😉

5. Achte die Form!

Der Verlag beschreibt meist ganz eklatant, WIE das Manuskript auszusehen hat. Dies hat meist den Grund, dass derjenige, der es prüft, ein für ihn gut lesbares Schriftbild erhält, sich großzügig Notizen machen kann und das Manuskript/Exposé auch einer Person zuordnen kann. Also achte auch darauf! Formatiere deine Datei exakt so, wie vorgegeben: Hochformat, Seitenränder, Seitenzahlen, Schriftart, Schriftgröße, Kopfzeile mit Namen, Titel, Adresse, Telefonnummer. Was fordert der Verlag? Erstmal nur Exposé, oder auch eine Leseprobe von 25 Seiten, 30 Seiten? Das vollständige Manuskript (eher unwahrscheinlich)? Darauf sollte man peinlich achten, um im Keim kein K.O.-Kriterium zu liefern. Stellt der Verlag keine eigenen Anforderungen, so orientiere dich bei anderen, wie es in etwa aussehen sollte.

6. Sei du selbst!

Dieser Tipp sollte dich überhaupt auf deiner weiteren Reise als Autor/in begleiten. Mach nichts aus dir, das du nicht bist! Bleibe authentisch, hebe nicht ab, erfinde nichts, übertreibe nicht! Wenn du Mutter einer fünfköpfigen Familie bist und zwischen Wäschebergen schreibst, dann ist daran nichts peinlich. Das ist dein Hintergrund, und das macht dich (und dein Werk) auch authentisch! Auch bei späteren Lesungen oder Messebesuchen musst du dich nicht in einen Anzug stecken, wenn du lieber Jeans trägst. Der Leser möchte immer den Menschen hinter dem Roman kennen lernen, und keine weitere Kunstfigur. Und genauso will das der Verlag. Also, bleib bei einem Telefonat oder im persönlichen Gespräch du selbst. Viele positive Beispiele – von der Hartz-4-Empfängerin über den Feuerwehrmann bis zum Kripobeamten – beweisen es.

Mein Fazit

Das war es eigentlich schon, mein kleines feines ‚Erfolgsrezept‘. Selbstverständlich erhebt es keinen Anspruch einer Garantie oder gar auf Vollständigkeit. Aber es ist der Weg, den ich beschritten habe, und er führte mich zum Ziel. Und ich betone, dass ich wenig von Glück oder Zufall halte. Vor allem mit dem Hintergrund, dass ein Verlag ein gewinnorientiertes Unternehmen ist, dass in erster Linie GELD verdienen muss, egal wie idealistisch die Macher dahinter auch sein mögen. Ein Buch muss gut sein – und passen muss es. Es gibt keinen Königsweg, aber man kann von vornherein viele Fehler vermeiden, einiges so richtig „steuern“ und somit seine Chancen, dass es klappt, deutlich verbessern.

Ich freue mich über Ergänzungen, Anmerkungen, oder sogar Diskussionen über das Thema! Jeder ist herzlich dazu eingeladen!